ZUNFTWAPPEN UND -ZEICHEN
IN DER SAMMLUNG DES MÜHLBACHER MUSEUMS
Die Stadt Mühlbach (rum. Sebeş, ung. Szászszebes), an der Verbindungsstraße zwischen dem Banat und Siebenbürgen gelegen, war ein wichtiger Absatzpunkt für Handelswaren. Sie spielte eine interessante Rolle in der Wirtschaftsgeschichte Siebenbürgens, deren Aufschwung zum großen Teil den Handwerks- und Handelstätigkeiten der hier angesiedelten Sachsen zu verdanken ist.
Die Ortschaft wurde urkundlich am 22. Februar 1245 unter dem Namen Malenbach erwähnt, nachdem sie 1241 von Mongolen zerstört wurde[1].
Den Hermannstädter Kaufleuten freien Weg lassend, haben sich die Mühlbacher, gleich den anderen siebenbürgischen Städten, an den von den Königen Ungarns, den Wojwoden, Fürsten und Gouverneuren Siebenbürgens angebotenen Vorrechten erfreut[2].
Schon 1376 erhielten die Mühlbacher Zünfte, gleichzeitig mit denen aus Hermannstadt, Schäßburg und Broos, Sonderrechte vom König Ungarns, Ladislaus I.[3].
Die hier dargestellten, den Mühlbacher Zünften gehörenden Stücke sind mit Zunftwappen und -zeichen versehen und im Mühlbacher Museum aufbewahrt. Vier Zunftladen, die schon in einem Aufsatz behandelt wurden[4], wurden hier nicht mehr wiederaufgenommen.
1. Die Tafel der Schneiderzunft, aus dem Jahre 1717[5], in Form eines deutschen Schildes, ist aus weichem Holz gefertigt und braungemalt worden, die Inschriften sind auf beiden Seiten geschnitzt.
Auf der Vorderseite ist eine Schneiderschere, mit den Klingen abwärts gerichtet, rechts eine Verzierung die eine Blume mit sechs Blütenblättern darstellt, links ein mit der Wölbung nach oben gerichteter Fingerhut. Zwischen den Scherenklingen ist ein Nagel mit rundem Kopf dargestellt (Abb. 1.a).
Auf der Rückseite ist das Jahr 1717 in zwei Zeilen geschrieben, jede Ziffer wurde verziert geschnitzt (Abb. 1.b).
Im oberen Teil wird die Tafel von einem metallischen Ring gehalten.
Länge = 21 cm; Breite = 16 cm; Höhe = 2,5 cm;
2. Das Siegel der Weberzunft aus dem Jahr 1839 [6], wurde aus Kupfer hergestellt und ist mit einem metallischen Griff versehen; in der Mitte eines runden Feldes befindet sich das Zunftwappen mit einer Inschrift in deutscher Sprache: MÜHLBACHER ° WEBERER ° SIGILIO IM 1839 [ das Siegel der Mühlbacher Weberzunft im Jahre 1839].
Im Feld befindet sich ein herzförmiger Schild, mit einer geöffneten Rangkrone, die sieben Fleuronen und zwölf Perlen hat; man sieht in der Mitte des Schildes drei in Form eines Dreiecks gelegte Weberschiffchen, und im Zentrum dieses Dreiecks ist ein Knäuel geschnitzt. Der Schild ist an zwei Rändern von einer Blumenverzierung umfaßt; die beiden Zweige, die sich unterhalb des Schildes treffen, sind mit einem Band verbunden.
Im äußeren Teil der Inschrift, am Rande des Bildes, kann man eine geometrische Verzierung erkennen, die das Ganze umfaßt.
Durchmesser = 2,6 cm; Höhe = 5,8 cm (Abb. 2);
3. Das Siegel der Mühlbacher Holzdrechsler ist [7] aus Kupfer hergestellt, mit einem metallischen Griff in Verlängerung des Kopfes versehen; das Feld hat eine ovalle Form.
Im Feld erscheinen die Handwerkszeichen, und zwar ein mit zwölf Speichen versehenes Rad, im rechten Teil ein abwärts gerichteter Zirkel, im linken Teil ein Beil mit nach links gerichteter Schneide.
Unter diesen befinden sich vielleicht einige Buchstaben, die jedoch kaum erkennbar sind.
Großer Durchmesser = 2,8 cm; kleiner Durchmesser = 2,1 cm; Höhe = 2,5 cm (Abb. 3);
4. Das Siegel der Wagnerzunft in Mühlbach, aus dem Jahre 1718[8], ist aus Kupfer hergestellt, mit einem metallischen Griff in der Kopfverlängerung versehen; es hat eine runde Form des Feldes.
Auf dem äußeren Rand ist eine geometrische Verzierung mit x-förmigen Figuren; im inneren Teil befindet sich eine Inschrift in deutscher Sprache mit lateinischen Buchstaben: * WAGNER * SIEGEL * IN * MÜHLBACH *. Nach jedem Wort kann man je ein Sternlein erkennen.
Im Siegelfeld erscheint ein deutscher Schild, links von der Mitte leicht nach Innen gebeugt; im oberen Teil ist ein Hobelmesser mit zwei Griffen und im unteren ein Rad mit zwölf Speichen dargestellt. Im Siegelfeld erscheinen auch andere Inschriften. Im linken Teil des Schildes ist die Zahl 17, im rechten Teil 18 zu erkennen, was das Entstehungsjahr des Siegels bedeutet: 1718; oberhalb des Schildes erscheinen die Buchstaben CH, darunter MH, was vielleicht die Abkürzung der Namen der Zunftvorsteher aus jener Zeit bedeutet. Auf beiden Seiten des Schildes sind dieselben sternförmigen Verzierungen zu erkennen.
Durchmesser = 2,8 cm; Höhe = 9,1 cm (Abb. 4);
5. Das Siegel der Kürschnerzunft in Mühlbach aus dem Jahre 1709[9] hat eine runde Form, mit dem Zunftzeichen in der Mitte des Feldes; am Rand steht folgende Inschrift in deutscher Sprache, mit lateinischen Majuskeln: MÜHLBACHER KÜRSCHNERZUNFT.
Im Siegelfeld ist das Zunftwappen, zwei Löwen mit erhobenen Schwänzen, die ein Tierfell halten, worüber sich eine Rangkrone mit drei Fleuronen befindet.
Durchmesser = 2,6 cm (Abb. 5);
6. Auf der Fassade des Gebäudes auf der Lucian Blaga Straße Nr. 46 sieht man das bemalte, restaurierte Zunftwappen der Schneider aus dem Jahre 1567.
Zwei gestümpfte Löwen, mit geringeltem Schweif und mit Silberkronen auf dem Haupt, halten einen ovalen Silberschild, in welchem sich eine silberne Schere mit aufwärts gerichteten Klingen befindet, die eine silberne Nadel mit goldenem Kopf umfaßt. Auch die Helmdecken des Schildes sind aus Silber. Über dem Schild befindet sich ein runder, roter Rahmen, einen Kranz darstellend, in welchem der silberne Buchstabe M eingeschrieben ist. Auf diesem Kranz ist eine weiße, geschlossene Krone angebracht. Aus dem heraldischen Schild, gehalten von den beiden auf einem Ornament aus grünem Laub stehenden Löwen,fließt ein Kranz aus grünen Blättern.
Hinter den Löwen auf der linken Seite kann man die Zahleninschrift 1567 erkennen, die das Entstehungsjahr des Gebäudes oder der Malerei bedeutet; die ersten zwei Ziffern, 1 und 5, liegen rechts vom Bauch des Löwens, die Ziffer 6 ist links und teilweise vom Löwenschweif bedeckt, während die Ziffer 7 am linken Bein steht (Abb. 6).
Die Mühlbacher Zünfte haben eine wichtige Rolle in der Wirtschaftsageschichte dieser Stadt gespielt. Sie wurden 1872 aufgelöst, gleich allen anderen Zünfte Ungarns.
[1] F.Zimmermann, C. Werner, Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen, Bd. 1, Hermannstadt, 1892, N. 80, S. 71-72; C. Suciu, Dictionarul istoric al localitatilor din Transilvania, Bucuresti, Bd. 2, S. 112; D.O. Dan, Contributii la cunoasterea rolului politic al Sebesului (sec. XIV-XIX), in “Apulum”, Bd. 35, Alba-Iulia, 1998, S. 303.
[2] D.O. Dan, Contributii la cunoasterea rolului economic al Sebesului (sec. XIV-XIX), in “Apulum”, Bd. 34, Alba-Iulia, 1997, S. 278.
[3] F. Zimmermann, C. Werner, Urkundenbuch..., Bd. 2, Hermannstadt, 1897, S. 449-452.
[4] D.O. Dan, Lazi de breasla, alte lazi si case de bani din Sebes, in “Apulum”, Bd. 22, Alba-Iulia, 1985, S. 197-203.
[5] Städtisches Museum Mühlbach, ohne Inventarnummer.
[6] Städtisches Museum Mühlbach, Inventarnummer 102.
[7] Städtisches Museum Mühlbach, Inventarnummer 2357.
[8] Städtisches Museum Mühlbach, Inventarnummer 1316.
[9] Städtisches Museum Mühlbach, Inventarnummer 1213.